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Suchmaschinen im Vergleich

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Ein Artikel von Stefan vom 24.06.2021

Das World Wide Web lässt sich als User bequem nur noch mit Hilfe einer Suchmaschine durchsuchen. Dabei haben sich seit der Einführung von Google's Suchmaschine kontext-basierte Konzepte durchgesetzt, denn für eine schnelle und erfolgreiche automatisierte Suche im Web braucht man einen Algorithmus, der die bestmöglichen Suchergebnisse basierend auf den eingegebenen Suchbegriffen liefert. Nicht umsonst hat sich aus dem neuartigen Konzept die größte und bekannteste Suchmaschine entwickelt. Googlen steht mittlerweile für das Recherchieren im Netz schlechthin.

Für einige Schlagzeilen hatte das Unternehmen im Juni gesorgt, da es ab September ihren Android-Nutzern bis zu zwölf satt bisher vier Suchmaschinen-Anbieter als Standard zur Auswahl stellt. In einer Initiative verschiedener Suchmaschinen-Anbieter und der EU-Kommission bat man Google um Änderung des aktuellen Systems. Bisher mussten Suchmaschinen-Betreiber in einem Auktionsverfahren eine Menge Geld bieten um im Auswahlbildschirm angezeigt zu werden. Dem Anschein nach lenkt Google ein, sodass Änderungen am Auswahlbildschirm für Suchmaschinen auf Android-Systemen kommen werden.

Aus diesem Anlass halten wir es für die beste Zeit sich ein mal mit den möglichen Alternativen zu beschäftigen. Warum sich die folgenden Suchmaschinen möglicherweise für euch besser eignen oder zumindest einen Blick wert sind, erfahrt ihr hier.


Quellen: Screenshots der Suchmaschinenstartseiten

Datenschutz als zentrales Argument künftiger Nutzerfreundlichkeit

"Ist ein Produkt kostenlos, dann ist der Nutzer das Produkt", wird in üblicher Stammtisch-Manier oft gegröhlt. Dabei geht es in der Regel vor allem um verwertbare Daten, die Unternehmen gewinnbringend nutzen können. Während früher der Fokus vor allem auf der Jagd nach E-Mailadressen und Telefonnummern lag, werden heute auch wesentlich mehr Details von Nutzern als kostbare Daten gespeichert und verwendet.

Wer die Gewohnheiten und Wünsche seiner Nutzer kennt, kann eben auch maßgeschneiderte Werbung einblenden. Ist es euch auch schon passiert, dass ihr mit Freunden über etwas gesprochen habt und wenige Tage später taucht genau dieses Produkt in einer digitalen Werbeanzeige auf? Obwohl in einigen Fällen nie nach den etwaigen Produkten gesucht wurde, können intelligente Analyse-Tools eure Wünsche anhand eurer Suchgewohnheiten berechnen. Oder aber, würden wir zu den Stammtischparolen zurückkehren, hört ja vielleicht eines eurer Smartphones mit.

Wir stellen euch heute zwölf Suchmaschinen vor und erklären euch, worauf die jeweilige Suchmaschine spezialisiert ist und warum ihr euch für diese entscheiden könntet. Um keine Favoriten zu positionieren, haben wir uns dazu entschieden die Suchmaschinen alphabetisch zu sortieren.

Ask.com

URL: https://www.ask.com/

Zentraler Fokus: Neutralität sowohl in der Benutzerobefläche, als auch in den Suchergebnissen

Nachteile: teilweise viele vorangestellte Anzeigen bei Suchergebnissen, wenig Datenschutz

Ask.com bietet eine sehr neutrale Oberfläche, dabei sind den "echten" Suchergebnissen oft mehrere Anzeigen vorangestellt. Suchergebnisse lassen sich in "Antworten" und "Videos" sortieren. Eine Routenplanung gibt es auf Ask.com allerdings nicht. Der Anbieter speichert Cookies und unter anderem auch die IP-Adresse des Gerätes des Nutzers.

Bing

URL: https://www.bing.com/

Zentraler Fokus: Amerikanischer Markt, Oberflächen-Design, Zusatzdienste

Nachteile: wenig Datenschutz, Daten werden für personalisierte Werbeanzeigen an Unternehmen weiter verkauft

Nach Google ist Bing die bekannteste Suchmaschine. In den USA ist sie sogar noch beliebter als in Deutschland. Hier bietet Windows eine Suchmaschine mit Design. Es fällt vor allem das großformatige Hintergrundbild auf. Außerdem hat Bing auch Zusatzfunktionen wie die Nachrichtenzeile am unteren Bildrand. Es können Routen geplant oder eine Sprachübersetzungsfunktion genutzt werden. Microsoft ist bereits negativ aufgefallen, da sie Nutzerdaten an andere Unternehmen verkauften, damit diese Werbeanzeigen personalisieren konnten. Bing speichert Cookies, eingegebene Suchbegriffe und die IP-Adresse des Gerätes, das für die Suche verwendet wurde.

Blinde Kuh

URL: https://www.blinde-kuh.de/

Zentraler Fokus: kindergerechte Suchergebnisse, Kategorisierung der Ergebnisse in Altergruppen "S" bis "XL", Zusatzinformationen, Datenschutz

Nachteil: keine reine Suchmaschine

Als kinderfreundliche Suchmaschine blendet die Blinde Kuh Ergebnisse aus, die nicht jugendfrei sind. Darüber hinaus kann man die Suchergebnisse durch Kategorisierung "S" bis "XL" auch nur für die aktuelle Altergruppe anzeigen lassen. Die Suchmaschine bietet außerdem nützliche Links zu kindgerechten Nachrichten und Surftipps. Themen mit Bezug auf Sexualität oder Gewalt werden bei Blinde Kuh entsprechend aufbereitet und erklärt.

DuckDuckGo

URL: https://duckduckgo.com/

Zentraler Fokus: übersichtlich, neutral & aufgeräumt, Zusatzfunktion "Bangs", Datenschutz

Nachteil: keiner

Ebenfalls eine sehr aufgeräumte und neutrale Oberfläche. Mit der Zusatzfunktion "Bangs" lassen sich Suchergebnisse direkt kategorisieren. Wer vor die Suchanfrage "!w" schreibt, erhält den Wikipedia-Eintrag des Suchwortes. "!a" leitet direkt zu Amazon-Ergebnissen. DuckDuckGo schützt zusätzlich besonders die Privatsphäre. Nach eigenen Aussagen werden keine Daten gespeichert oder gesammelt.

Ecosia

URL: https://www.ecosia.org/

Zentraler Fokus: Pflanzt Bäume durch erzielte Werbeeinnahmen, Search Tag-Funktion

Nachteile: keine eigenständige Suchmaschine, da sie auf Ergebnisse von Bing zurückgreift, sendet personenbezogene Daten an Bing

Ecosia hat als großen Aufhänger natürlich die Umwelt im Blick und pflanzt mit Werbeeinnahmen Bäume. Eng mit Bing verstrickt verbirgt sich auch hier Microsoft als Betreiber hinter der Suchmaschine. Als neue Funktion kommt bei Ecosia das "Search Tag" hinzu, so lässt sich beispielsweise mit "#fb" direkt die Startseite von Facebook erreichen.  Genau wie Bing werden Suchanfragen, IP-Adressen und Cookies gespeichert. Laut Aussage von Ecosia werden diese Daten zwar an Bing gesendet, aber nach sieben Tagen wieder gelöscht. Uns bleibt nichts übrig, als dieser Aussage zu vertrauen.

Frag Finn

URL: https://www.fragfinn.de/

Zentraler Fokus: kindergerechte Suchergebnisse, Markenbotschafter "Finn" erklärt komplexe Zusammenhänge für Kinder, Datenschutz, werbefrei

Nachteil: keiner

Eine weitere kindgerechte Suchmaschine, die allerdings mit dem Botschafter "FINNReporter" Themen speziell aufbereitet. Die Treffer auf Suchanfragen werden hier ebenfalls gefiltert, sodass nur Themen gezeigt werden, die auch für Kinder geeignet sind. Auf der Seite werden darüber hinaus keine personenbezogenen Daten gesammelt. Auch Werbung gibt es bei dieser Suchmaschine nicht.

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Google

URL: https://www.google.de/

Zentraler Fokus: schnell & übersichtlich, ausgeklügelter Suchalgorithmus, Zusatzdienste YouTube & Google Maps direkt angebunden

Nachteile: sammelt und verkauft personenbezogene Daten der Nutzer an Unternehmen; die personenbezogenen Daten werden zusätzlich mit Daten anderer Google-Dienste (falls vorhanden) kombiniert

Als großer Marktführer bietet Google die meisten Funktionen, allerdings sind die Suchergebnisse auch eng mit den hauseigenen Features von "Google Maps" und "Youtube" verstrickt. Mit "Safe Search" lassen sich anstößige Inhalte rausfiltern. Ansonsten lassen sich über die "erweiterte Suche" alle Ergebnisse kategorisieren. Vorangestellte Anzeigen sind entsprechend gekennzeichnet. Datenschützer kritisieren die vage Formulierung der Nutzungsbedingungen. Google sammelt und verkauft Daten seiner Nutzer, um Werbung besser auf Kunden zuschneiden zu können. Die verkauften Daten sind eine Sammlung aus allen Google-Diensten, die vorab miteinander verknüpft werden.

MetaGer

URL: https://metager.de/

Zentraler Fokus: kombiniert Suchergebnisse von 30 anderen Suchmaschinen, keine Gewinnorientierung, Wissenschaft, Datenschutz

Nachteil: eingebunde Map-Funktion nur in Deutschland nutzbar

Hier wird Datenschutz groß geschrieben. Es werden keine personenbezogenen Daten gespeichert oder verkauft. Die gezeigten Suchergebnisse von MetaGer bilden die Summe aus 30 anderen Suchmaschinen-Ergebnissen. Der Fokus liegt vor allem auch auf Ergebnissen aus der Wissenschaft. Es werden zwar Werbeanzeigen eingeblendet, allerdings geht es MetaGer nach eigenen Aussagen nicht um Gewinnorientierung. Die angebotene Map-Funktion ist nur in Deutschland nutzbar.

Qwant

URL: https://www.qwant.com/

Zentraler Fokus: kategorisierbare Suchergebnisse, kann kindgerechte Sucheregebnisse darstellen, Datenschutz

Nachteil: Accounterstellung auf Qwant führt bei Interesse nur zu Foren in französischer Sprache

Mit französischen Wurzeln bietet diese Suchmaschine dennoch sehr gute Suchergebnisse. Durch eine Kategorisierung werden Ergebnisse übersichtlich dargestellt. Außerdem kann die Suchmaschine durch eine Einstellung auch für Kinder geeignet sein. Nach eigenen Aussagen von Qwant werden keine personenbezogenen Daten gespeichert oder verkauft.

Startpage

URL: https://startpage.com/

Zentraler Fokus: Datenschutz, Neutralität, nicht personalisierte Werbung,

Nachteil: greift auf Suchergebnisse von Google zurück

Das Design der Seite lässt sich anpassen. Die Suchergebnisse kommen allerdings von Google. Startpage wirbt damit, dass sie die personenbezogenen Daten besser schützen als Google. Sie finanzieren sich durch Spenden. Als "diskrete" Suchmaschine werden keine personenbezogenen Daten gespeichert oder verkauft. Das niederländische Unternehmen hat für Startpage das Europäische Datenschutz-Gütesiegel und ein gutes Ergebnis eines Tests von Stiftung Warentest erhalten.

Wolfram Alpha

URL: https://www.wolframalpha.com/

Zentraler Fokus: eine Wissensmaschine (löst mathematische Gleichungen, berechnet Lebensmittel-Kalorien, rechnet Währungen um oder stellt Zahlen, Daten, Fakten zum Verkehrsaufkommen in Deutschland dar), Suchergebnisse werden logisch miteinander verknüpft

Nachteile: Nur in englischer Sprache in vollem Umfang nutzbar, sammelt personenbezogene Daten

Als besonderes Merkmal bietet diese Suchmaschine die Möglichkeit, mathematische Gleichungen zu lösen. Außerdem können Währungen umgerechnet und Kalorien von Lebensmitteln angegeben werden. Für Deutschland werden bei Wolfram Alpha auch Zahlen, Daten und Fakten zum Verkehrsaufkommen dargestellt. Die Suchergebnisse werden nach eigener Aussage logisch miteinander verknüpft. Das ist vor allem deshalb sinnvoll, da Wolfram Alpha keine Links zu externen Webseiten ausspuckt, sondern versucht, selbst eine treffende Antwort auf eine Frage zu generieren. Großes Manko ist hier, dass die Suchmaschine sich nur auf Englisch bestmöglich nutzen lässt.

Yahoo

URL: https://de.yahoo.com/

Zentraler Fokus: Zusatzfunktionen durch Portalanbindung

Nachteil: Keine reine Suchmaschine, wenig Datenschutz

Obwohl Yahoo den Service einer Suchmaschine bietet, ist es doch eher ein großes Internetportal. Die Suchergebnisse werden von Bing genutzt, es hängt auch hier also Microsoft mit drin. Yahoo ist darauf ausgelegt ein umfassendes Service-Angebot zu präsentieren, sodass Nachrichten, Einkaufsmöglichkeiten und E-Mails über ein Internetportal genutzt werden können. Auch hier werden IP-Adressen und personenbezogene Daten gespeichert. In der Datenschutzerklärung steht, dass personenbezogene Daten in andere Länder übertragen werden. Es ist also auch hier von einem Geschäft mit den Daten auszugehen.

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Fazit

Die kurze Analyse dieser zwölf Suchmaschinen zeigt, dass die Schwerpunkte der einzelnen Anbieter sehr unterschiedlich ist. Bevor man sich für eine Suchmaschine entscheidet, sollte man sich seiner eigenen Wünsche an die Suchmaschinen bewusst werden. Vor allem im Bereich Datenschutz gibt es große Unterschiede, doch nicht jedem ist dieses Thema besonders wichtig.

Klarer liegt die Entscheidung bei der Nutzung der Suchmaschine durch Kindern auf der Hand. Keiner möchte, dass Kinder plötzlich mit Suchergebnissen konfrontiert werden, die sie überfordern oder verstören könnten. Deshalb ist es aus unserer Sicht auch notwendig, auf kindgerechte Suchmaschinen zurückzugreifen.

Durch Suchmaschinen wie MetaGer oder Wolfram Alpha haben auch die Suchergebnisse eine neue Bedeutung. Wenn die Ergebnisse aus 30 anderen Suchmaschinen zusammengetragen werden, kann man sich sicher sein, dass hier wenige Ergebnisse auftauchen, die Suchmaschinenbetreiber besonders gern ganz oben zeigen möchten. Und auch durch die direkte Beantwortung von Fragen, anstatt der simplen Verlinkung von Quellen mit möglichen Antworten hat Wolfram Alpha eine Nische gefunden. Sobald der Algorithmus auch auf Deutsch gute Ergebnisse liefert, könnte er den Durchbruch auch hier zu Lande erreichen.

Für welche Suchmaschine ihr euch auch entscheidet, das Thema Datenschutz wird in den kommenden Jahren eine immer wichtigere Rolle spielen. Eventuell entscheidet ihr euch ja heute schon dafür eure personenbezognenen Daten besser schützen zu wollen.

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